Paralympicsieger Marcel Hug zu Gast bei der HCE-Connection am Dienstag, 5. Dezember 2017

Der letzte Mittagslunch im Vereinsjahr 2017 wartete mit einem hochkarätigen Gast auf: Marcel Hug  (31), seines Zeichens der zur Zeit stärkste Rollstuhlsportler der Welt, stand uns anfangs Dezember 2017 im Emmer Restaurant Sternen Rede und Antwort.

48 Mitglieder liessen sich die Gelegenheit nicht entgehen und fanden sich ab 11.30 Uhr erwartungsvoll zum Apéro ein. Nach der Vorstellung unseres Gastes durch HCE-C Präsident Fredy Erzinger entwickelte sich bereits während der Vorspeise ein reger Austausch. Der in Nottwil wohnhafte und im Schweizerischen Paraplegikerzentrum (SPZ) trainierende Marcel Hug ist seit seiner Geburt an den Rollstuhl gebunden. Im Alter von zehn Jahren begann er mit dem Rollstuhlsport. Kontinuierlich steigerte M.H. seine sportlichen Leistungen. Seit 2010 war es dann soweit, dass er dank seines enormen sportlichen Erfolges und der seriös ausgehandelten Sponsoringverträgen als Vollprofi leben konnte. 

Auf sehr anschauliche Weise lernten die Anwesenden, wie in der Welt des Rollstuhlsports durchaus mit harten Bandagen (vor allem in den Kurven) gefahren wird; die Bestzeit für einen Marathon (von denen Marcel Hug bis zu acht Stück pro Saison absolviert) 1 Stunde 20 Minuten beträgt und eine Spitzengeschwindigkeit auf ebener Gerade von 37 km/h erreicht wird. Zum Vergleich: Marathonläufer benötigen für diese Distanz knapp über 2 Stunden! Grundsätzlich gilt, dass die Weltrekorde der Läufer bis und mit der 400 Meter Distanz aufgrund des Startvorteils infolge geringerer Trägheit schneller sind, ab 800 Meter haben dann die Rollstuhl-Leichtathleten die Nase vorn.

Auch das Material und die richtige Renntaktik spielen eine wichtige Rolle. So ist Marcel Hugs Renngefährt beispielsweise eine Spezialanfertigung aus Japan. Als Weltenbummler fährt er damit Rennen auf allen Kontinenten, sekundiert von seinem langjährigen Trainer Paul Odermatt (sie sind seit dem Karrierebeginn des Ausnahmetalents ein Team) und dem Knowhow des SPZ Nottwil. Obwohl er nahezu sämtliche bedeutenden Titel in seiner Sportart gewonnen hat (Olympiasieger, Weltrekordhalter, Welt- und Europameister etc.), ist Marcel Hug nach wie vor erfolgshungrig: Er will nächste Saison die Weltrekorde über 400 Meter und 1‘500 Meter seinem eindrucksvollen Palmarès hinzufügen. Wir drücken ihm die Daumen für diese Mission.

Es sei noch erwähnt, dass als Ausgleich zum dafür notwendigen Training, Marcel Hug sein Management selbst in der Hand hat, von der Gestaltung der Website, der Organisation der Reisen bis zur Verhandlung mit Sponsoren und der Kontaktpflege mit verschiedensten Anspruchsgruppen.

Es ist immer ein gutes Zeichen und spricht für deren Zugkraft, wenn das Essen unserer Gäste ob all der Fragen und Diskussionen (u. a. Doping und Schummeleien bei der Zuteilung in die Stärkeklassen) jeweils kalt wird. So geschah es auch diesmal, was Marcel Hug aber nicht sonderlich störte. Die Crew um HCEC Mitglied Paulo Morais reagierte sofort und lieferte heissen Nachschub. 

Überhaupt hat die Sternen-Brigade einen exzellenten Job gemacht. Ein währschaftes Essen mit selbstverständlich portugiesischen Weinen, speditiv und in grosszügiger Menge serviert. Ein grosses Dankeschön an unseren Gastgeber.

Wie immer reichte die Zeit über Mittag kaum aus, um all unseren Wissensdurst zu stillen. Abschliessend bleibt festzustellen, dass wir eine faszinierende Sportlerpersönlichkeit kennenlernen durften, die mit ihrer besonnenen und dennoch offenen Art beeindruckt. Marcel Hug möchte gemäss eigener Aussage nicht als Behinderter, sondern als Sportler wahrgenommen werden, indem er nach der Devise lebt: «Ich mache Sport, obwohl ich im Rollstuhl bin und nicht, weil ich im Rollstuhl bin». Diesem positiven Selbstverständnis bleibt nichts mehr hinzuzufügen. Wir bedanken uns bei Marcel Hug sowie allen Teilnehmenden für ihre Anwesenheit und wünschen fürs 2018 alles Gute!


Text: Oli Breitenstein